kora_kora

/ 2021

Künstler: Philipp Röhe Hansen Schlichting
Objekt-Standort: Christianstrasse 51 in 24534 Neumünster

kora_kora
Projektzeitraum 2020 -2022
umlaufende Fassadenmalerei / Farbgebung Fenster
Graphitstifte, Silanisiertes Reinacrylat auf SilaCryl-Basis

Das Projekt ist in Zusammenarbeit von Polychrom e.V. und Dipl. Ing. Arne Reese entstanden. Der Künstler Philipp Röhe Hansen Schlichting wurde vom Bauherr des Mehrfamilienhauses beauftragt eine Fassadenmalerei für alle straßenseitigen Fassadenflächen des Neubaus zu entwickeln und mit seinem Team zu realisieren. Die Firma Malermeister Günter Mecklenburg haben die Vorarbeiten gemacht.


kora_kora (Auszug aus der Eröffnungsrede, 22. April 2022)

Kreise überlagern sich, schließen sich zusammen, ändern die Richtung, werden zu größeren Schlangenlinien, Strängen oder Bändern, die großflächig und freizügig über die Fassade laufen, um an anderer Stelle wieder in der ornamentalen Struktur zu versinken. Vorder- und Hintergrund bilden sich aus.

Unmittelbar und im Vorbeigehen überwiegen die wohlig warmen Orangetöne. Wer allerdings stehen bleibt, gerät möglicherweise etwas ins Schwanken, wenn er seinem Impuls folgt und den Verlauf der ein oder anderen Linie mit dem Auge nachzuvollziehen versucht. Er oder Sie sieht sich einerm Strukturgefüge ausgesetzt, das sich zwar in einer gewissen Gleichmäßigkeit (gleichmäßige All-over Struktur) über die gesamte Fassadenflächen (als ornamentales Gewand des Baukörpers) erstreckt, aber es ist ein Motiv, welches sich vor allem auch als ein dichtes Netz, ein undurchdringliches Geflecht, als eine Herausforderung für die Lesbarkeit darstellt. In Gänze betrachtet kann man an dieser Stelle von einem semantischen Dschungel sprechen, dessen sinnliche Freude von dem Versuch der visuellen Druchdringung lebt.

Sicher, hier genau liegt auch das gewagte Moment einer solchen bildlichen Analge, sie fordert heraus. Sie fordert heraus, da sie genau auf diese Grenze der Lesbarkeit verweist, bei der die Herausforderung von der Überforderung nicht weit entfernt scheint. Es geht mir aber – und ich hoffe dieses Gleichgewicht gewahrt zu haben – um eine lustbringende Aktivierung der sinnlichen Kompentenzen, die Erfahrung der Möglichkeit der heiteren Lösbarkeit und die Lust an der Orientierung in einer komplexen Welt.

Es ist eine Übung, ein ästhetischer Erfahrungsraum, in dem wir die lebendige Tätigkeit des Auges selbst erleben können und in dem wir die alltägliche Herausforderung der Sinnesleistung bewusst vor Augen geführt bekommen. Es geht um eine positive und dynamische Stimulation der Sinne und um die Liebe des Auges zum freien Spiel aus Farbe und Form.

© PRHS _ April 2022

 

(von links) Ana Kostova, Hans Peter Röhe Hansen, Christoph Weiss, Philipp Röhe Hansen Schlichting
(von links) Ana Kostova, Hans Peter Röhe Hansen, Christoph Weiss, Philipp Röhe Hansen Schlichting
Saskia Ludwichowski
Saskia Ludwichowski
Ana Kostova
Ana Kostova

Zu der geglückten technischen Umsetzung des doch recht komplexen Entwurfes an der Fassade, hat neben der Entwicklung einer Vielzahl an Schablonen für die händische Übertragung des Motives, vor allem auch die herausragende Arbeit meines Teams beigetragen. Es wurden erstmalig drei Studentinnen aus der Malereiklasse der Muthesius Kunsthochschule Kiel eingeladen das Projekt bei der Umsetzung handwerklich zu unterstützen. Das hat offensichtlich hervorragend geklappt, ein ganz herzliches Dankeschön geht dafür an Ana Kostova, Saskia Ludwichowski und Elise Breitsprecher.